Weisheit einer Ex: Kommunikation ist Haltung

Das Content Strategie Camp war wunderbar. Viele kluge Köpfe haben über wirklich gute Sachen erzählt und diskutiert. Neben dem inspirierenden Case aus der Wohnungswirtschaft von Christine Boussios (Die Firma)und der ebenso inspirierenden wie fast schon befreienden („Da denkt echt noch jemand anderes drüber nach“-) Session über Humor von Julia Schönborn, waren für mich die vielen kleinen Debatten zur Rolle des Managements in der Kommunikation besonders bedeutsam.

Die Argumentation aus Sicht der Anspruchsgruppe ist so bekannt wie vorhersehbar: Marken sind mehr als ihre Produkte, die im Social Web mindestens wie Avatare agieren (ein Unterschied, den Menschen wenig Bedeutung in Form von Konsequenz zukommen lassen), in Beziehungsqualität gemessen werden und denen jedes Verhalten (und das ist eben auch ihre Kommunikation) als positive oder negative Summe auf ihr Sozialkapitalkonto eingezahlt wird.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus Ihrer Performance?

Die Frage ist jetzt, was macht man daraus? Welche Konsequenzen zieht man, um Kommunikation zu verbessern. Bisher hieß die Antwort meist: Der Content muss besser/geiler/unterhaltsamer werden, um die Beziehungspartner bei der Stange zu halten. Aber lassen Sie sich das von einer getrennten Frau sagen: Den Content, also das Angebot, zu steigern, ändert höchstens kurzfristig etwas daran, dass das Gegenüber als Charakter missfällt. Integrität als Inbegriff der Verlässlichkeit, der Übereinstimmung von Worten und Taten, als Fels in der eben auch mal etwas härteren Brandung – das ist das Fundament einer guten Beziehung und das einzig legitime Gegenangebot zu Vertrauen. Um eine frühere Argumentation aufzugreifen: Touchpoints sind eben auch soziale Berührungspunkte, keine Jahrmarkt-Schießbuden.

Das im Hinterkopf und so viele Paradoxien im Alltag eines Kommunikators –  oder eines Kunden, Mitarbeiters oder einer anderen Anspruchsgruppe – klären sich auf. In der Serie Sex and the City (Michael Patrick King) lief Miranda eine ganze Folge mit verzückter Erkenntnis durch die Welt, weil Carries Freund Burger das Aus ihrer Beziehung so erklärte: „Er steht eben nicht so auf dich“. Ja, genau so empfinde ich bei einigen Unternehmen: Die stehen einfach nicht so auf mich (und meine Vorstellung von Werten und Beziehungen). Ich wende mich ab und die Kommunikationsverantwortlichen auf der anderen Seite verstehen die Welt nicht mehr und debattieren und zetern – so wie Miranda und ihre Mädels über jedes Beziehungsaus.

Es kommt auf die Organisationsprozesse an

Kommunikation ist zuerst Haltung, nicht Maßnahme. Das mag logisch klingen, bleibt aber eine hohle Phrase, solange Prozesse und Entscheidungen sich nicht danach richten. Doch wer kann es sich wirklich erlauben, die Kommunikation entsprechend auszurichten? Und damit meine ich: Welche Position in der Organisation? Der einzelne Content-Producer? Der Redakteur? Der Abteilungsleiter? Ja, das können sie. Aber sie werden niemals ihre Vision von einer integeren Organisation erreichen. Das können nur: die da oben. Oder wie Kai Heddergott auf dem Content Strategie Camp festhält: Lass mal den Papa ran. Er hat recht, die Haltung einer Organisation kann nur mit dem Management passieren. Und hier braucht es Entwicklung – und zwar vor der Strategie! Darum ist es so schlau, dass Thomas Pleil und Sabine Hueber in ihrem neuen Studiengang Onlinekommunikation dem Lernen in der Organisation so große Bedeutung zukommen lassen. Denn damit verlassen wir zumeist den etablierten Verantwortungsbereich von Kommunikatoren, wir trampeln neue Wege.

Wenn wir also von der Interdisziplinarität sprechen, dann dürfen wir nicht länger die Zusammenarbeit mit Fotografen, Textern, Filmemachern, Grafikern und Programmierern meinen, sondern die mit BWL-lern, Unternehmensentwicklern, Sozialwissenschaftlern, Psychologen und Führungskräfte-Trainern.

Über Tanja Beck

Geradlinige Lebensläufe haben ausgedient. Heute zählen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und die Offenheit, Neues zu erkunden. Ob als Ghostwriter, Content Strategin oder PR/Blogger Relation Managerin: Ich liebe Themenwelten und einen guten Diskurs. Aktuelle Schwerpunkte: Digitale Transformation, Blogger Relation und Ingenieurthemen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*