Viele Punkte machen ein Bild oder einen Score?

Vor fünf Jahren wurden meine Texte dem Keyword-Density-Test unterzogen, vor drei Jahren forderten potentielle Auftraggeber Angaben zur Anzahl privater Facebook-Freunde, heute bemühe ich mich um einen Geilheits-Score. Ja, meine Gedanken zu Mirko Langes Blogparade sind noch nicht ausgedacht. 

Der Finger in der Soße

Gunnar Sohn und so viele andere haben natürlich nicht Unrecht, wenn sie auf die Marketing-Technokraten mit ihren Leads und Fata Morgana-Effizienz-Messungen hinweisen. Aber sie irren, wenn sie allen Geilen-Content-Machen-Wollern dieses Etikett aufkleben. Denn nicht jeder, der sich methodisch in alle Richtungen  Gedanken dazu macht, wie geiler Content entsteht oder er gar zur Entstehung beiträgt, ist auch ein Sozialanalphabet.

Ich denke oft über Etiketten nach. Die kleinen Schildchen helfen uns, Urteile zu fällen. Wie in einer Vorratskammer stehen die etikettierten Töpfe vor uns. Nur wenn der Topf ein lesbares Etikett trägt, sind wir safe. Da kann das rot-braune Zeug noch so gut riechen und schmecken – wenn das Etikett nichts über den Inhalt  sagt, bleibt der Mensch skeptisch. Den Finger einfach rein in die Soße und schauen, ob´s lecker ist? Dazu braucht es Mut und Freiheit (und die haben nur Amateure und Dilettanten).

Bottom-up versus Top-down?

Die Debatte um geilen Content ist für viele auch eine Etiketten-Debatte. Das ist nicht unbedingt verkehrt, Verbraucher achten ja sehr auf Etiketten und Qualitätssiegel. Sie ist aber eben auch eine methodische Debatte. Erst planen, dann umsetzen – so machen das Profis. Nur planen unterschiedliche Profis unterschiedliche Dinge im unterschiedlichen Umfang. Die einen machen den einen gro(ß/b)en Plan und ackern von unten mit relativ ungeplanten Inhaltsstücken auf. Die anderen machen den gro(ß/b)en Plan und definieren ihn runter bis zum kleinsten Nenner. Die einen machen Improvisationstheater: kreativ, impulsiv, aber eben auch riskant. Die anderen dirigieren die Wagner-Festspiele.

Ich denke gerade an Monet, wie er jahrelang Punkte auf eine Leinwand setzte. Am Ende ergaben die Punkte ein Bild – keinen Score. Der einzelne Punkt ist für das Bild nicht relevant, ihre Gesamtheit schon. Ist es dann relevant, wie geplant der einzelne Punkt gesetzt wurde? Sollte bei allen Rankings und Scores und Messlatten, die Content-Produzenten auf den Wagner-Festspielen erreichen müssen, der ein oder andere Punkt auch mal spontan und „aus dem Bauch“ gesetzt werden dürfen? Der große Plan hält dies sicher aus und profitiert unter Umständen davon. Um bei den großen Festspielen mitmachen zu können, muss man die Disziplin zum methodischen Durchdeklinieren wohl aber aufbringen lernen.

Über Tanja Beck

Geradlinige Lebensläufe haben ausgedient. Heute zählen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und die Offenheit, Neues zu erkunden. Ob als Ghostwriter, Content Strategin oder PR/Blogger Relation Managerin: Ich liebe Themenwelten und einen guten Diskurs. Aktuelle Schwerpunkte: Digitale Transformation, Blogger Relation und Ingenieurthemen.

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