Paid Content: Eine Gesellschaft rettet sich selbst? (Teil 1)

Ich stecke gerade mitten im Umzug, privat und mit der fachCONTENT UG. Dafür habe ich sehr viele Informationen konsumiert: Testberichte zu Kühlschränken und Versicherungen, Produktbeschreibungen, Bewertungsurteile und amtliche Bekanntmachungen zur Ummeldung und Elternbeitragsneuberechnung. Außer einem Testbericht von der Stiftung Warentest, waren alle Informationen kostenlos im Netz erreichbar. Und das ist gut so, sind freie und frei zugängliche Informationen und Berichterstattung doch ein Juwel unserer Gesellschaft.

Beim Thema Paid Content geht es aber um andere Informationen als impulsive Produktbewertungen und amtliche Bekanntmachungen. Es geht um den einen von mir bezahlten Content von der Stiftung Warentest: ein fachlich fundierter und übersichtlicher Vergleich von Hausratversicherungen. Ein wirklich hilfreiches Stück, um genau herauszufinden, welche Versicherung zu meiner neuen Situation passt. Mindestens ein Sachverständiger und Autor haben daran gearbeitet (Vermutung meinerseits). Der Artikel erschien im Printheft. Wie könnte dieses Wissen also kostenlos im Netz verfügbar sein?

Wissen ist der Schatz des Wissenden

Es geht um Geldverdienen in der Gratiskultur, den Wert von Journalismus und von publizierten Wissen. Früher haben Verlage den Markt weitestgehend geregelt: Sie bezahlten die Autoren, kümmerten sich um die Entwicklung und den Druck der Printprodukte, verwalteten den Vertrieb und alles weitere. Der Konsument der Information zahlte an die Verlage, pro Stück oder im Abo. Mit der Befreiung der Informationen durch das Netz funktioniert dieser Markt nicht mehr. Ich betone: das Internet ist ein Schatz unserer Gesellschaft. Wissen ist aber nun einmal der Schatz des Wissenden. Und Wissen erhalten gelingt – das ist uns allen bekannt – nicht im Schlaf: Um wissend zu bleiben, müssen Informationen hinterfragt, neue Erkenntnisse entdeckt und eingeordnet, Relevantes zusammengefügt werden. Dies tun Journalisten und Fachautoren (ja, das können auch Blogger sein). Wenn nun das Wissen frei sein und keiner mehr (weder Verlage noch Kunde oder eine neue Instanz) dafür bezahlen soll: Ja, wovon lebt dann der auf das Publizieren fokussierte Wissende? Von der neben dem Wissen geschalteten Werbung? Zunächst sah der Versuch so aus, doch Leser und der Unabhängigkeit verpflichtete Publizisten merken: So geht das nicht!

Ein wichtiger Gedankenschritt

Das Wunder dieser Tage ist der Anflug eines Wandels, der noch zu Beginn des Jahres weitläufig eher skeptisch beäugt wurde: Digital-Publizisten erfinden sich neu, brechen aus der Diktatur der Daten und Reichweiten aus, fordern die Möglichkeit zur eigenen Rückbesinnung auf das, was den freien Journalismus seit jeher zu einem der größten Güter einer Gesellschaft macht. Der Vorwurf, die Verlage haben Entwicklungen verschlafen, ist korrekt. Eine Lösung für sinkendes Einkommen von Publizisten und die damit verbundene Begrenzung ihrer selbstbestimmten Arbeit, bringt er jetzt aber eben auch nicht mehr.

Im zweiten Teil geht es weiter zu individuellen und gesellschaftlichen Befreiungsschläge, Bezahlsystemen und warum der Einzelkauf ein Like und das Abo ein neuer Fan ist.

Über Tanja Beck

Geradlinige Lebensläufe haben ausgedient. Heute zählen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und die Offenheit, Neues zu erkunden. Ob als Ghostwriter, Content Strategin oder PR/Blogger Relation Managerin: Ich liebe Themenwelten und einen guten Diskurs. Aktuelle Schwerpunkte: Digitale Transformation, Blogger Relation und Ingenieurthemen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*