Lest das: Es ist geil!

Mirko Lange fragt: Wie geht geiler Content? Woran macht man die Qualität von Content fest? Ich frage mich als Erstes,  ob geiler Content immer auch was mit Qualität zu tun hat. Oder anders: Wollen wir Qualität von Content auf das Prinzip des Geil-Seins reduzieren? Die schlechtesten Katzenvideos sind (folgt man der Klickrate) geil. Aber entsprechen sie nur deshalb irgendeiner Qualität außer der des Geil-Seins? Und müssen sie das? Sollten sie das?

Zunächst ist das natürlich eine Frage des Zwecks und des Anspruchs. Manche Dinge müssen „einfach nur“ geil sein, um ihren Zweck zu erfüllen. Aber keine Frage: Content geil zu machen, kann man sich vornehmen. Ob es gelingt, ist die andere Frage – und ja auch Aufhänger für diese Blogparade. Versuchen wir uns ranzutasten: Dass guter Content grundsätzlich authentisch, mehrwertig, teilbar und nutzerorientiert sei, wissen wir. Man kann der Meinung sein, der Sprung aus der Stratosphäre wäre außer markenauthentisch und teilbar wenig von dem. Er ist aber ein Maß professionell geil gemachten Contents. Dann bringt die Annahme uns nicht weiter.

Die alte Leier

Schauen wir auf die Art und den Zweck des Contents. Möchte ich viel Reichweite für mein Logo, tut es der Stratosphärensprung oder eine kotzende Kuh. Weiß ich hingegen, dass mein Produkt echte Probleme von jemanden löst, der noch gar nicht weiß, dass er sie hat, muss ich anders agieren. Da muss ich Fragen stellen und Antworten geben. Kotzende Kühe irritieren da. Das Ergebnis ist eine andere Art Content – kann aber trotzdem geil sein (wenn mein Festnetztelefon es dann wieder tut – zum Beispiel). Dann ist da natürlich die Zielgruppe, jede findet etwas anderes geil. Und auch den Kontext darf man nicht vergessen. Das letzte Mal, als ich das Wort  „geil“ tatsächlich in den Mund nahm, las ich den Hinweis in der Anleitung meines Laptops, dass ich das Gerät während des Betriebs nicht bewegen solle.

Geiler Content könnte also der sein, der die Situation und den Bedarf punktgenau trifft. Kontext und Relevanz – verdammt, keine neue Erkenntnis.

Geiler Content braucht Können, Vertrauen, Mut und Chancen

Wahrhaftig geiler Content kommt dabei weder auf Rezeptur, noch allein durch freie Kreativität. Meiner Erfahrung nach ist geiler (oder funktionierender?) Content das Ergebnis einer Teamarbeit von guten Leuten, die genau wissen, was der andere kann und eine gewisse Portion Vertrauen mitbringen. Wenn ich also weiß, was ich will, und den Mut habe, mich auf andere (Kollegen, Dienstleister, Mitarbeiter, …) einzulassen und mit ihnen etwas zu entwickeln: Dann habe ich die Chance, dem Phänomen des geilen Content beizuwohnen. Also so einen, der Eindruck – sei er flüchtig oder nachhaltig – hinterlässt.

Zwei von Mirkos konkreten Fragen, möchte ich aber doch noch mit Senf bedenken:

  1. Ist es denkbar eine “Qualitäts-Checkliste” zu erstellen – sowohl formal als auch qualitativ?

Unbedingt! Jede ernsthafte Content-Unternehmung sollte neben Styleguides und Kommunikationsregeln auch fachliche und sogar normative Ansprüche tragen. Diese geben den Rahmen, in dem sich Autoren und andere Content-Produzenten bewegen dürfen. Wichtig ist, dass die Regeln erklärbar und diskutierbar sind. Nichts hilft besser gegen guten Content als Publikationen, die nur der Chef lustig findet oder unter „adäquater Ansprache“ versteht.

Will man zum guten Content auch noch geilen Content machen, lohnt sich eine Geilheits-Checkliste. Je nach Ziel und Anspruch kann diese unterschiedlich aussehen:  Sind die Bilder großartig, die Musik rührend, der Protagonist erniedrigt genug? Ein Blick in das Boulevard kann (je nach Zielsetzung) lohnend sein.

  1. Wie findet man (bezahlbare) Autoren, die für einen “geilen Content” extern erstellen?

Du rufst mich an. Und wenn das mal nicht klappt, dann macht man sich auf die Suche nach unabhängigen, recherchestarken, je nach Anspruch thematisch vorerfahrenen, des Mitdenkens mächtigen Textern. Auch ein Tandem aus einem Texter oder Ghostwriter und einem Experten klappt sehr gut  (und ist aufgrund der reduzierten Recherchearbeit wieder bezahlbar). Mach nur nicht den Fehler und werfe den Anspruch auf Qualität an diesem Punkt über Bord. Dann ist es aus mit der Geilheit.

Fazit: Alles ist relativ

Bin ich nun schlauer? Bedingt. Es bleibt dabei, dass geiler Content ebenso wie guter oder relevanter oder funktionierender Content zunächst für das jeweilige Ziel definiert sein muss. Wenn das Ziel meines Vorhabens stratosphärisch geilen, „ins Hirn knallenden“ Content bedarf (oder ich einen der geilen Awards für geilen Content erhalten möchte): Dann mach ich mich eben an die geilen Geschichten, die geilen Themen und die  geilen Protagonisten. Ne, Mirko?

Über Tanja Beck

Geradlinige Lebensläufe haben ausgedient. Heute zählen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und die Offenheit, Neues zu erkunden. Ob als Ghostwriter, Content Strategin oder PR/Blogger Relation Managerin: Ich liebe Themenwelten und einen guten Diskurs. Aktuelle Schwerpunkte: Digitale Transformation, Blogger Relation und Ingenieurthemen.

2 Gedanken zu „Lest das: Es ist geil!

    1. Danke Nico! Wie du es sagst: Was geiler Content ist, liegt im Auge des Betrachters. Der Idealfall ist sicherlich, wenn das Urteil von Contentmachern und Contentnutzern übereinstimmt. ;-)

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